
Der Raum als Instrument: warum Akustik zum Interior gehört
Ein Raum klingt, bevor man ihn sieht. Wer eine Wohnung betritt, hört in der ersten Sekunde die Nachhallzeit, lange bevor er die Farbe der Wand bewusst wahrnimmt. Harte, parallele Flächen aus Glas, Putz und Stein werfen den Schall so lange hin und her, dass Stimmen scharf werden und man leiser spricht, ohne zu wissen warum.
Ein schöner Raum, in dem man nicht gern spricht, ist kein fertiger Raum.
In Wohnräumen liegt die angenehme Nachhallzeit etwa zwischen 0.4 und 0.6 Sekunden. Darüber wird es hallig, darunter dumpf. Man erreicht diesen Bereich selten mit Akustikpaneelen, sondern fast immer mit Dingen, die ohnehin im Raum sein sollten: einem schweren Leinenvorhang über die ganze Wandbreite statt nur ums Fenster, einem dicken Wollteppich mit Unterlage, einem Sofa mit offenporigem Bouclé statt glattem Leder.
Ebenso wichtig ist Streuung. Eine glatte, leere Wand wirft den Schall als Ganzes zurück. Eine offene Nische mit unterschiedlich hohen Objekten, ein Bücherbord, ein geflochtener Korb oder ein Stuhl aus Rattan brechen die Reflexion in viele kleine Anteile. Genau das ist der Grund, warum ein Raum mit wenigen, aber texturierten Objekten ruhiger klingt als ein leerer.
Praktisch heisst das: Akustik wird im Konzept entschieden, nicht am Schluss repariert. Wir prüfen in der Bemusterung nicht nur, wie ein Stoff aussieht, sondern wie der Raum mit ihm klingt. Es ist der billigste Komfortgewinn, den ein Interior bieten kann.



